SUBWAY Oktober 2026

Judith Florian Sarah Adrian Maximilian 7 supportet sich. Da merkt man keine Konkurrenz – es ist alles sehr wohlwollend. Flo: Ganz genau. Und die lokale Musikszene hat uns überhaupt erst wieder mit Sebastian zusammengebracht. Mein Bruder und ich kannten ihn von früher, hatten ihn aber aus den Augen verloren. Heute spielt er bei Bucketlist – und als wir dringend Unterstützung brauchten, hat er sich innerhalb weniger Wochen unser komplettes Programm angeeignet, um mit uns das erste Festival zu spiel. Das war eine Riesenleistung. Habt ihr das Gefühl, dass man als Metalband hier genug Aufmerksamkeit bekommt? Judith: Für eine Stadt mit unserer Größenordnung haben wir ein breites Angebot an Locations und Institutionen, die sehr viel für unsere kulturelle Szene tun. Unter anderem die KufA e.V., der Hotel666 Metalclub, das B58, der Kulturraum Jakobi bieten tolle Atmosphäre, wertvollen Austausch und wertschätzenden Umgang. Auch durch Marco Spiller und das Rock in Rautheim hat sich Braunschweig zu einer richtigen Metalhochburg etabliert. Da kann man doch als Braunschweiger richtig stolz drauf sein! Zu Euerem Debüt „Reflections“: Was macht dieses Album so besonders, dass man unbedingt reinhören sollte? Flo: Die sehr unterschiedlichen Songs. Sie sind über viele Jahre hinweg entstanden und erzählen von verschiedenen Abschnitten meiner musikalischen Reise. „Girl of Mystery“ habe ich als Teenie geschrieben – und erst nach fast 30 Jahren konnte ich ihn endlich aufnehmen. Neben solchen frühen Ideen gibt es auch tiefere, nachdenkliche Songs und eine große Spannweite an Gefühlen. Auf eurem neuen Album „Tales from the Striped Tent“ habt ihr euch etwas ganz anderes einfallen lassen, denn hier zieht sich die Zirkus-Thematik durch die Songs. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Idee? Flo: Ich habe nach einem Thema gesucht, in dem ich schöne Metaphern für all die Dinge finden konnte, die mir im Kopf herumgeistern. Der erste Song wurde dann direkt zum Namensgeber des Albums. Darin verarbeite ich meine Gedanken über Reality TV. Außerdem wollte ich uns unbedingt in Zirkusklamotten auf der Bühne sehen. Zirkus steht für Glitzer, Show und große Emotionen, aber auch für Chaos, Abgründe und die dunklen Seiten hinter der Manege. Welche dieser Facetten reizt euch musikalisch am meisten? Judith: Da ich wohl diejenige in der Band mit dem dunkelsten Metal-Musikgeschmack bin und des Öfteren gegen Flos Happy Metal wettere (er kommt klar damit haha), reizt mich der Kontrast von Glitter, Dunkelheit und Verzweiflung am meisten. Was wäre Zirkus ohne die Schatten hinter den Vorhängen, die Leere, wenn die Show vorbei ist und die Traurigkeit auf dem Gesicht des Clowns, wenn niemand hinsieht. Vielleicht spiegelt es auch unterbewusst die Menschen, die den Zirkus besuchen. Kommt und bringt uns eure Verzweiflung und euren Schmerz, wir blenden ihn gemeinsam für eine Weile aus, ehe wir alle wieder dahin zurückkehren. Vielleicht ist es eine stille Übereinkunft, ein stilles Teilen der Melancholie und das macht es für mich wunderschön. Es ist toll, dass ich mit meiner Stimme die Vielfältigkeit dessen ausdrücken darf. Das ist ein spannender Prozess für mich in stimmlicher Hinsicht. Flo: Neben dem für mich typischen Happymetal bekommt daher auch die Schattenseite des Zirkus ihren Platz auf dem Album. Dort finden sich dunklere, stimmungsvolle Texte – einige davon stammen von Judith und verleihen dem Ganzen eine besondere Tiefe. Wer von euch ist im Proberaum der größte Perfektionist – und wer sorgt dafür, dass es trotzdem nicht komplett eskaliert? Judith: Das ist wohl Flo unser Composer ;). Er könnte zudem auch immer noch weiter proben obwohl wir anderen schon total platt sind und keine Energie mehr haben. Da ist er noch bei 70% :). Zum Glück sind wir in der Mehrzahl, so dass er überstimmt werden kann. Eskalieren tut es nicht, es ist ziemlich harmonisch bei uns. Flo: Das ist es wirklich – auch, weil wir inzwischen richtig gute Freunde geworden sind und mir meine kleinen Macken im Proberaum großzügig nachgesehen werden. Zu meiner Ehrenrettung: In meinen frühen Musikerjahren wurde ich förmlich zum Perfektionismus erzogen. Schuld ist vor allem Uwe von den Del Jays. Und er weiß das. :-D Was macht ihr neben eurem Leben als Band? Was wissen eure Fans vielleicht noch nicht, aber sollten sie über euch ruhig erfahren. Judith: Neben meinem Hauptjob im Krankenhaus bin ich seit kurzem auch ganzheitlicher stimmtherapeutischer Coach und biete Stimmpräventionskurse und Online-Coachings an. Falls ihr Bedarf habt, meldet euch gerne bei mir. Flo: Wir haben alle anspruchsvolle Jobs, teilweise kleine Kinder und spielen zusätzlich in anderen Bands. Neben Familie, Beruf und Musik bleibt schlicht nicht viel Freizeit übrig – also alles ziemlich normal :-D Wo und wann können Fans und Zukünftige euch als nächstes Live erleben? Judith: Den Rest des Jahres werden wir uns als Band auf die finalen Aufnahmen für unser neues Album konzentrieren. Am 16. Januar 2027 haben wir die große Ehre Nightlaser bei der Laser Night XI im KufA Haus zu supporten. Am 20. Februar spielen wir einen kleinen Gig in der Nationalbrauerei Jürgens in Braunschweig. Zudem trete ich neben anderen coolen Musikern beim Konzertformat „Day of the Dead Rockstars“ am 31.10. in der Brunsviga auf. Ich freue mich auf die nächsten Gigs und freue mich euch alle zu sehen! Der Blick nach vorne: Was soll bei Unsoulicited als Nächstes passieren, damit ihr am Ende 2026 sagen könnt: Das war unser Jahr? Judith: Ich kann mich nicht beschweren, da jedes Jahr bisher noch coolere Ereignisse mit sich gebracht hat. Da ich jetzt Festivalblut geleckt habe, würde ich im nächsten Sommer gerne wieder das ein oder andere Festival rocken, am liebsten hier in der Region. Rock in Rautheim oder auch Rockharz wären natürlich mal ein absoluter Traum! Flo: Da kann ich Judith nur zustimmen. Wir alle möchten großartige Festivals spielen. Und natürlich freue ich mich darauf, dass unser nächstes Album „Tales from the Striped Tent“ erscheint. Wenn das Album gut ankommt, unsere Shows den Leuten gefallen und dann noch ein Interview mit uns in der Subway gedruckt wird, dann können wir wirklich sagen: Das war unser Jahr! Text vonne Jeetze Fotos Unsoulicited

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