SUBWAY Dezember 2020

43 unter dem Arm und der um die Schulter ge- schlungene Pullover weht hinter ihnen her. Allgemein haben sie doch so einiges mit Su- perhelden gemeinsam, allem voran natür- lich, dass sie sich selbst für welche halten. BWLer sind reich und schön, die Gelfrisur sitzt bis aufs letzte Härchen, die Rolex schim- mert im Sonnenlicht. Zusammen mit einem makellosen, strahlenden Lächeln wird jeder, der ihnen begegnet, sofort geblendet. Viel- leicht liegt diese Glückseligkeit am neuen, von Papi finanzierten Porsche, der just auf dem Uni-Parkplatz abgestellt wurde. Diesen Lebensstandard erhalten zu können, ist ja überhaupt erst die Motivation für die Wahl des Studiums. Ahnung von Unternehmens- führung zu haben, verspricht ein hohes Ein- kommen und was soll man sonst machen? Außer vielleicht Medizin zu studieren ... Volker studiert BWL an der Ostfalia und hat ganz andere Erfahrungen gemacht. Wenn man sich umschaut, sei der Dresscode eher normalo als extravagant und randvol- le Portemonnaies würden auch nicht zum Standard gehören. „Viele schlagen sich auch bei BWL mit dem BAföG-Amt rum und kön- nen sich nicht auf dem Geld ihrer Eltern aus- ruhen“, sagt der 25-Jährige. Jedoch gäbe es tatsächlich auch einige Studenten, die nicht wussten, welchen Studiengang sie sonst hätten wählen sollen. Häufig würden diese Menschen jedoch irgendwann merken, dass BWL gar nicht zu ihren Interessen passt und wären dann auch schnell wieder weg. Kristallkugel Mensch Psychologen sind selbst völlig durchge- dreht, weshalb sie auch im Studium lernen müssen, erst sich selbst und dann andere zu heilen. Wenn man sich mit ihnen unterhält, sollte man schon mal das Pokerface üben, ansonsten werden nach fünf Minuten even- tuell die tiefsten Abgründe der Seele analy- siert. Ehrgeiz wird großgeschrieben, denn auch nach der Vorlesung kann gut und gerne noch stundenlang über das eben dozierte Thema diskutiert werden. Eine Schlussfol- gerung kommt dabei fast nie zustande. Die Beweggründe für die Wahl des Psycholo- gie-Studiums sind jedoch eindeutig: Men- schen helfen und sie schlussendlich retten. Man munkelt, einige Psychologen schaffen es sogar, zum Wahrsager aufzusteigen. Die Sache mit dem Ehrgeiz und dem Hel- fer-Syndrom ist laut der 21-jährigen Greta nicht von der Hand zu weisen. „Wir sind ein richtiger Streberverein und alle super sozial, aufmerksam und höflich, fast schon auf eine nervige Weise.“ Das läge vor allen Dingen an dem hohen NC, den man für das Studium benötigt. In Braunschweig liegt dieser zur- zeit bei 1,3. Unter den Psychos – wie Greta ihre Kommilitonen an der TU liebevoll nennt – seien aber wenige Menschen, die selbst einen Knacks hätten und auch das Vorurteil, dass Mitmenschen ständig analysiert wer- den würden, sei schlichtweg falsch. Nerds und Jungfrauen „Karohemd und Samenstau – ich studier΄ Maschinenbau.“ Ein legendärer Spruch und ein noch besseres Resümee. Wer sich für ein Maschinenbau-Studium entschieden hat, muss zuerst eine Voraussetzung erfül- len: Männlichkeit. Weibliche Wesen sind ein noch unentdeckter Mythos, was soll man schon mit denen anfangen, wenn man nicht an ihnen rumbasteln kann? Generell prägt den Maschbauer ein hohes Maß an Nerdig- keit. Überragende Kenntnisse in Physik und Mathe sind selbstverständlich und raus in die Natur begibt man sich höchstens, wenn Mama es befiehlt. Matteo berichtet von Jeans- und T-Shirt- tragenden Studenten, die an der TU über den Campus streifen. Dass diese überwie- gend männlich sind, gibt der 24-Jährige zu und auch Playboys treffe man eher sel- ten an. „Ich kenne Dauersingles oder eben die Wir-sind-schon-sieben-Jahre-zusam- men-Fraktion”, schmunzelt er. Mathe und Physik gut zu können, hätte wohl jeder zu- nächst behauptet. Diese Aussage werde aber bereits nach dem ersten Semester von den meisten zurückgenommen. „Chill mal“ ist das Mantra Stets umgeben von einer Weihrauchwolke sitzen die Philosophie-Studenten im Schnei- dersitz auf einer Wiese und üben sich im Gi- tarre spielen. Das Fleckchen Grün ist ihr Ein und Alles, es muss sich nur weit genug weg vom Uni-Campus befinden. Da sich jeder oh- nehin damit abgefunden hat, später kein Geld zu verdienen, wird das Leben allgemein nicht so ernst genommen. Wer Philosophie studie- ren will, muss sich zunächst befreien: von Re- geln, von seinem Rasierer und natürlich von allem, was nicht fair-trade oder vegan ist. Und weil das alle anderen belächeln, bleibt man als Öko lieber unter sich und plant schon mal den nächsten Trip nach Thailand. Auch wenn die 20-jährige Lena erklärt, dass sich nicht alle Philosophie-Studenten mit dem Stereotyp des ungepflegten Hippies identifizieren können, steckt doch Wahrheit in diesen Vorurteilen. „Dreadlocks und bunt gefärbte Haare sieht man oft, auch Manbuns und Hipsterbärte gibt‘s bei uns“, erzählt die TU-Studentin. „Man merkt deutlich, dass sich viele in die alternative Richtung entwickeln.“ Tatsächlich würde auch fast niemand das Studium in der Regelstudienzeit beenden, doch die Einstellung zu beruflichen Chancen sei grundsätzlich positiv. „Außerdem sind Philosophie-Studenten oft geselliger als er- wartet. Man muss nur bei einigen aufpassen, was man sagt, sonst zettelt man eine Diskus- sion an, bei der man als nicht philosophisch bewanderter Mensch überhaupt nichts mehr versteht.“ Wenn man sich für einen Studiengang in- teressiert, sollte man am besten direkt mit immatrikulierten Studenten über deren Er- fahrungen sprechen, um eine Existenzkri- se abzuwenden und für Klarheit zu sorgen. Schließlich haben sie sich auch mal durch ein endloses Studienangebot gequält und sich nicht von Vorurteilen beirren lassen. Egal ob Richkid, Psycho, Nerd oder Öko – gehe deinen eigenen Weg und lass dir die Vorfreude aufs Studium nicht verderben. AllegraWendemuth Fotos olly, Coka, wernerimages, WavebreakMediaMicro-stock.adobe.com

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