42 DIE NACKTE WAHRHEIT 2026 SUBWAY.DE Das nächste Verhör gibts im November! … Modistin Margret Porwoll? KENNT IHR EIGENTLICH SCHON … Foto privat Mit Dampf, Filz und Fingerspitzengefühl fertigt Margret Porwoll in ihrem Laden raum23kopfbedeckungen im Magniviertel Hüte, Mützen und Kopfschmuck. Mit uns spricht Braunschweigs einzige Modistin mit eigenem Hutladen über vermeintliche „Hutgesichter“, echte Handarbeit und eine Anfrage aus dem Stylingteam von Jennifer Lopez. Margret, was genau macht eine Modistin und worin unterscheidet sie sich von einer Hutmacherin? Modistinnen und Modisten sind ausschließlich für Kopfbedeckungen zuständig, also für Hüte, Mützen und Kopfschmuck. Früher hieß es: Modistinnen arbeiten wie Maßschneiderinnen direkt mit der Kundschaft, Hutmacher hingegen eher industriell in Fabriken. Weil heute längst nicht mehr jeder mit Kopfbedeckung das Haus verlässt, ist die Berufsbezeichnung vielen nicht mehr geläufig. Wie bist du zur Modisterei gekommen und warum hast du dich in Braunschweig selbstständig gemacht? Genäht habe ich schon immer. Schon damals nähte ich mir kleine Käppchen – das fand ich super! Der konkrete Wunsch, Modistin zu werden, entwickelte sich erst danach. Weil ich diesen Beruf unbedingt ausüben wollte, blieb mir in Braunschweig letztendlich nur der Weg in die Selbstständigkeit. Wie entsteht in deiner Werkstatt ein handgefertigter Hut? Kundinnen und Kunden können zunächst alles aufsetzen und ausprobieren, was im Laden ist: Handelsware von Stetson und Seeberger ebenso wie meine selbst gefertigten, eleganten Stücke. Für meine eigenen Anfertigungen arbeite ich mit viel Dampf und nähe sowie modelliere von Hand. Dazu braucht es Hutformen, über die das Material gezogen wird, und auf denen es anschließend trocknet. Am besten kommt man einfach einmal in der Werkstatt vorbei und schaut es sich an. Woran erkennst du, welcher Hut zu einem Menschen passt? Haarfarbe, Augenfarbe und Hautton geben bereits vor, ob einem eher kühle oder warme Farbtöne stehen. Die Form sollte außerdem proportional zur Kopfgröße passen. Bei manchen Menschen ist eine asymmetrische Form vorteilhaft, bei anderen nicht. In den 23 Jahren, in denen ich das mache, hat sich meine Vorstellungskraft immer weiterentwickelt. Und gibt es tatsächlich ein „Hutgesicht“? Ein klassisches „Hutgesicht“ ist für mich ein ausgewogenes Gesicht, dem viele Formen stehen. Aber auch für längliche oder runde Gesichter gibt es passende Hüte. Manchmal ist die Unsicherheit leider größer als die Neugier. Umso schöner ist es, wenn Menschen Verschiedenes ausprobieren und selbst ein Gefühl dafür entwickeln. Was kann eine Kopfbedeckung mit der Ausstrahlung eines Menschen machen? Es gibt alltägliche Kopfbedeckungen, die vor Kälte oder Hitze schützen. Dann gibt es Statement-Pieces, die eine klare Aussage treffen. Und es gibt Hüte, die den eigenen Stil und die Persönlichkeit unterstreichen und einfach cool sind. Ich würde mich freuen, wenn sich mehr Menschen davon unabhängig machten, wie andere sie bewerten. Welcher Auftrag ist dir besonders im Gedächtnis geblieben? Ich liebe die Mischung. Arbeiten für Künstlerinnen und Künstler, das Theater oder Fotoshootings sind natürlich spannend. Gerade fertige ich einen Halloween-Kopfschmuck für einen stylischen Auftritt an. Einmal wurde ich sogar von den Stylisten von Jennifer Lopez angeschrieben und gebeten, etwas für den Film „Marry Me“ einzuschicken. Zunächst habe ich recherchiert, ob es wirklich die echten Kontaktdaten sind – und das waren sie. Ausgewählt wurde mein Stück am Ende leider nicht. Trotzdem war das etwas Besonderes. Wie hat sich die Wertschätzung für Handarbeit in den vergangenen Jahren verändert? Wer selbst Dinge herstellt, weiß, wie viel Handarbeit in einem Produkt steckt. Am Ende sind es immer zwei Hände, die sie anfertigen. Viele Menschen wissen das durchaus noch zu schätzen. Welche Zukunft wünschst du dir für dein Handwerk? Ich wünsche mir, dass sich mehr Menschen darauf einlassen, wie cool, feminin, geheimnisvoll, sportiv, elegant und individuell sie mit einer Kopfbedeckung aussehen können. Es ist eine einfache Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit auszudrücken. Zum Abschluss: Wenn du Braunschweig einen Hut aufsetzen dürftest – wie würde er aussehen? Ein Hut, der von allen Seiten unterschiedlich aussieht – weil Braunschweig eine vielfältige Stadt ist. Jaquelin Ohk
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