books POP & KULTUR 38 2026 SUBWAY.DE WAS MACHST DU, WENN.... Ken Oppermann wurde 1994 in Braunschweig geboren. Er absolvierte sein Studium in Wirtschaftspsychologie und arbeitet heute im Personalwesen. Sein Debütroman „Gegen die Leere“ entstand aus einer Idee bei einem Spaziergang mit seinem Sohn. Nach drei Jahren intensiver Arbeit an seinem Buchprojekt, neben seinem Vollzeitjob, erschien sein Roman Anfang September und wir sind mit ihm darüber ins Gespräch gekommen. Kannst du uns deinen Roman einmal kurz vorstellen. Und ab wann hast du gemerkt, dass eben aus dieser Idee ein Roman entstehen könnte? Das mache ich gerne. Die zentrale Frage lautet: Was würdest du tun, wenn du eines Morgens aufwachst und feststellst, dass du der letzte Mensch auf der Welt bist? Wir verfolgen den Protagonisten C, wie er zunächst versucht, mit seiner außergewöhnlichen Situation klarzukommen. Mit der Zeit eignet er sich Fähigkeiten und Verhaltensweisen an, die sein Überleben sichern. Dabei kämpft er nicht nur gegen Feinde von außen – die rohe Natur, die die Straßen zurückerobert und ausgehungerte Hunde, die sich zu Rudeln zusammenrotten. C kämpft auch gegen seine inneren Dämonen, die durch die Isolation und Einsamkeit hervorgerufen werden. Wie bist du an die Recherche gegangen und wurdest du vor Herausforderungen gestellt? Für das Szenario einer leeren Welt, in der die Errungenschaften der Zivilisation zerfallen, habe ich zunächst Bücher gelesen, die sich mit dieser Idee befassen. Beeindruckt hat mich vor allem Alan Weismans „Die Welt ohne uns – Reise über eine unbevölkerte Erde“. Auch zu den psychologischen Aspekten habe ich Bücher gelesen, zum Beispiel „Allein“ von Daniel Schreiber oder „Allein in der Wildnis“ von Gary Paulsen. Besonders herausfordernd war es, eine schlüssige Erklärung für das Verschwinden der Menschheit zu finden. Wie könnte man alle Menschen auf einmal verschwinden lassen? Warum bleibt C zurück? Dabei habe ich mich sehr am Rand der physikalischen Möglichkeiten bewegt. Eines ist klar: Mit den heutigen, realen Mitteln ließe sich nicht einmal ein Mensch spurlos beseitigen. Mir war es letztlich wichtig, eine nachvollziehbare Begründung zugrunde zu legen, um keine an den Haaren herbeigezogene Auflösung zu haben. Wie tief bist du in die Figur des Familienvaters C dabei eingetaucht und hat es dich auch persönlich geschockt oder verängstigt, wenn man sich das „Was wäre wenn…?“ einmal ausmalt? Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass ich vieles von mir selbst in der Figur verarbeitet habe. Vielleicht ist es die typische Herangehensweise eines Debütanten, um einen authentischen Charakter einzuführen. Im Verlauf des Romans verändert sich C schon sehr, er macht eine beeindruckende, aber auch traurige und mitreißende Entwicklung durch. Spätestens ab der Hälfte des Romans ähneln C und ich uns immer weniger. Die Vorstellung, eines Tages meine Familie nicht mehr zu haben, schockiert mich jedes Mal, wenn ich daran denke. Allein der Gedanke löst eine unfassbare Traurigkeit in mir aus. Zum Glück hat mich nicht dasselbe Schicksal ereilt wie C. Du schreibst, dass die Inspiration bei einem Spaziergang mit deinem Sohn entstanden ist. Kann er mit dem Roman schon etwas anfangen? Haha, leider noch nicht. Er ist jetzt 4 Jahre alt. Ich habe mal mit dem Gedanken gespielt, aus der Grundidee (Wo sind denn alle?) ein Bilderbuch zu erstellen. Damit könnte er sicherlich schon mehr anfangen, denn er schaut sich Bücher sehr gerne an und liebt es, wenn man ihm vorliest. Eines Tages wird er alt genug sein, ihn zu lesen. Und wenn er das tatsächlich macht, wäre ich sehr stolz. Eine Frage, die sich sofort stellt, weil sie nicht „der Regel“ entspricht: Warum heißt dein Protagonist lediglich „C“ mit Namen? Es ist ein Spitzname, den ihm seine Frau gegeben hat. Eigentlich nennt ihn niemand so außer ihr. Indem ich ihn durchgängig auch C nenne, wollte ich seine tiefe Verbindung zu seiner Frau betonen. Im Verlauf der Geschichte wird C auch seinen echten Namen nennen – in einer Szene, die einen krassen Wendepunkt in der Erzählung markiert. Wie schwierig war es, eine Welt zu beschreiben, in der keine anderen Menschen mehr existieren? Wenn man einmal diese Perspektive eingenommen hat, ist es gar nicht mehr so schwierig, es zu visualisieren. Man entwickelt eher ein Auge dafür im Alltag, wenn man verlassene oder überwucherte Orte sieht. Anspruchsvoller ist es, sich die Auswirkungen des plötzlichen Verschwindens zu vergegenwärtigen. Was funktioniert noch, wie lange? Was bedarf regelmäßiger Pflege und Wartung durch Menschenhand? Welche Abläufe, die wir in unserem Leben für selbstverständlich halten, würden von Tag zu Tag stoppen? Wie schafft man dabei Spannung? Eingangs vor allem über die Frage, ob es noch andere Menschen gibt, die noch da sind. Dann über Entwicklung des Protagonisten zum Überlebenskünstler. Und im letzten Drittel über eine unerwartete Entwicklung, durch die der Spannungsbogen noch einmal richtig angezogen wird. Wolltest du die Leser auch zum Nachdenken über das eigene Leben bringen? Auf jeden Fall. Man wird nach der Lektüre schon feststellen, was für einen hohen Lebensstandard wir haben. Wie wenig Sorgen wir uns tatsächlich um das eigene Überleben machen müssen. Und wie toll es ist, liebende und fürsorgliche Menschen an seiner Seite zu haben. Nicht zu vergessen unser manchmal fragwürdiger Umgang mit dem Planeten und seiner Natur. Wusstest du von Anfang wie es enden wird oder gab es eine ganz andere Entwicklung während des Schreibens? Das wusste ich tatsächlich von Anfang an. Ich glaube, wenn ich das nicht gewusst hätte, dann wäre es mir über den gesamten Roman hinweg weniger gelungen, auf etwas bestimmtes hinzuführen. Die Brotkrumen, die die Geschichte dem Leser immer wieder gibt, hätte ich andernfalls nachträglich unterbringen müssen und das hätte wiederum den roten Faden gefährden können... Wann wusstest du: Jetzt ist der Roman fertig? Nach der zweiten Lektoratsrunde. Erst da hatte ich das Gefühl, dass ich keine größeren Anpassungen mehr vornehmen möchte. Die professionelle Meinung meiner Lektorin hat mir die Sicherheit gegeben, dass es eine runde Sache war. Wir haben mit Ken Oppermann über seinen dystopischen Roman gesprochen. Text Ivonne Jeetze Foto privat
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