SUBWAY Dezember 2020

22 2020 SUBWAY.DE LEBEN & RAUM DIE DOSIS MACHT DAS GIFT SUBWAY im offenen Talk mit dem Hanffreunde Braunschweig e. V. über die Legalisierung von Cannabis, Sucht und Nutzhanf C annabis ist verboten, weil es illegal ist“ ist nicht nur das wohl prominenteste Zitat der ehemaligen Drogenbeauf- tragten Marlene Mortler (CSU), sondern ge- fühlt auch das einzige Argument, das immer wieder gegen Cannabis angebracht wird. Als illegale Droge lässt man besser die Finger davon, sonst gibt’s Ärger. Marihuana wird als Einstiegsdroge gehandelt, die den Weg in die Kriminalität ebnet und in die Abwärts- spirale verführt. Dass vieles, was dieses Bild von Hanf prägt, einer langanhaltenden, von Rassismus und Hetze geprägten Geschichte geschuldet ist, wissen dabei die wenigsten. Angefangen hat alles im frühen 20. Jahrhun- dert mit der Einwanderung von Mexikanern in die USA, die mit dem „magischen Kraut“ Frauen und die Jugend unsittlich gemacht haben sollen. Auch in der schwarzen Musi- kerszene war Cannabis damals beliebt und somit war das Feindbild klar. Um mit diesen auf diskriminierenden Werten basierenden Klischees aufzuräu- men, haben sich in Braunschweig 2018 die Hanffreunde zu einem Verein zusammen- geschlossen. Inzwischen sind sie die einzige Ortsgruppe des Deutschen Hanfverbands Niedersachsens und zählen 29 Mitglieder. Jährlich veranstalten sie den Global Marijua- na March, so wie auch in diesem Oktober, und setzen sich für die Legalisierung von Cannabis ein. An Infoständen klären sie über Hanf sowohl als Rauschmittel als auch als Nutz- und Heilpflanze in all ihren Formen und Farben auf. Vorbelastetes Kraut Mit etwa vier Millionen Verbrauchern ist Cannabis die am meisten konsumierte Dro- ge Deutschlands, die unter das Betäubungs- mittelgesetz fällt. Deshalb bekommt sie in der Politik besonders große Aufmerksam- keit – was auch gut und wichtig ist, schließ- lich kann das Kraut Psychosen verursachen und natürlich auch abhängig machen. Eine faktenbasierte, zeitgemäße Neubeurteilung der Pflanze, die weit mehr als eine Droge ist, sucht man jedoch vergeblich. Hier werden die Hanffreunde aktiv: „Es gibt so viele überzeugende Gründe, diese Pflan- ze nicht zu verbieten“, meint Azra von den Hanffreunden überzeugt, „deshalb leisten wir als Ortsgruppe des Hanfverbands Aufklä- rungs- und Präventionsarbeit.“ Noch immer repräsentiert das grüne Zeug für viele einen klischeehaften Lifestyle von barfüßigen Kiffern, die den ganzen Tag auf dem Sofa hängen und Chips essen. Oder es wird das Bild geweckt, wie ohnehin schon vorurteilsbehaftete Ausländer an der Straßen- ecke stehen, um dort ihr Gras an Kinder zu verticken. „Die Deutschen sieht man da eben nicht. Die verkaufen entspannt zu Hause von der Couch aus und niemand kriegt es mit“, verdeutlicht Azra die noch immer vorherr- schenden, diskriminierenden Strukturen im Kampf gegen Cannabis. Klar, dass das einer konservativen Politik ganz und gar nicht ge- fällt. Maßlose Besäufnisse an Karneval oder auf dem Oktoberfest hingegen werden ge- sellschaftlich nicht nur toleriert, sondern of- fenkundig gefeiert und gefördert – schließ- lich gehört das zum deutschen Kulturgut. „Wir fordern da ganz klar Gleichbehandlung statt Willkür“, so die Meinung des Vorsitzenden der Hanffreunde Braunschweig Benjamin. Fotos Louisa Ferch, Hanffreunde Braunschweig e. V.

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