SUBWAY Februar 2023

11 Ist das für Sie ein Zeichen von Hoffnung? Helsinki und unsere Ministerpräsidentin Sanne setzen sich für die Menschen ein. Das ist großartig. Ich glaube nicht, dass wird dem Planeten gegenüber fair sind, denn er hat uns bisher recht gut behandelt. Wir hinge- gen haben ihn nicht gerade freundlich behandelt. Jetzt merken wir, dass wir es viel besser hätten machen kön- nen. Die Zeit läuft uns davon, also ist es ein guter Zeit- punkt, etwas zu tun. Hoffentlich werden wir auch in der Zukunft einen Ort haben, an dem wir leben können. Das ist jetzt natürlich eine sehr optimidtische Weltsicht. Das hängt bei mir immer von der Tagesverfassung ab. Finnland hat einen gefährlichen Nachbarn: Russland. Deshalbwill es über 200 Kilometer seiner Grenzemit Russ- landmit einemüber drei Meter hohen Zaun schützen. Wie fühlt es sich an, in diesen Zeiten in Finnland zu leben? Für einen Moment dachte ich, Donald Trump zieht nach Finnland, als ich hörte, dass sie über den Bau einer Mauer sprechen. Für mich als Musiker ist das sehr scha- de. Ich hatte gehofft, mit meinem Soloalbum auch in Kiew und ein paar Orten in Russland spielen zu können. Mit HIM hatten wir vor allem in Russland viel Spaß. Das Publikum dort ist fantastisch. Wahrscheinlich haben diese Leute gerade nicht die beste Zeit ihres Lebens. Es ist ziemlich verwirrend, aber nichts Neues. In der Geschichte zwischen Russland und Finnland gab es viele Feindseligkeiten. Wir haben aber versucht, Zäune abzureißen und keine neuen zu errichten. Ich bin selbst kein Politiker und nicht qualifiziert, politische Stellung- nahmen abzugeben, aber als Musiker und Mensch hoffe ich, dass diese Dinge bald besser werden. Ab- gesehen von dem Ukraine-Krieg haben viele Russen nicht die Möglichkeit, so zu leben, wie sie es eigentlich sollten. Sie sollten Redefreiheit haben und lieben dür- fen, wen sie wollen. Dass dem nicht so ist, ist ziemlich traurig. Ich glaube, HIM-Fans in Russland würden es lieben, wenn ich dort wieder auftreten würde. Drücken wir einfach mal die Daumen, dass es irgendwann wie- der möglich sein wird. Sind Sie wegen Ihrer ersten Solo-Tour eigentlich nervös? Ich werde wahrscheinlich kotzen und mir in die Hose scheißen auf dieser Tour, es ist aber eine positive Aufre- gung. Ich bin auf der Bühne immer nervös, man braucht diese Schmetterlinge im Bauch auch. Es bedeutet ja, dass man wirklich für das brennt, was man da tut. Wie präsentieren Sie die alten HIM-Hymnen live? Die Setlist ist etwa 50/50. Ich weiß, dass eine Menge Leute nicht nur meine neuen Songs hören wollen. Die HIM-Stücke sind für mich persönlich auch sehr wich- tig; auf einer künstlerischen Ebene sowieso. Das war ja mein Leben in den letzten 25, 30 Jahren. Wir spielen sie sehr respektvoll gegenüber den Originalen. Ich hoffe, wir können ihnen eine andere Perspektive und das Flair von meinem Soloalbum verleihen. Für mich ist es sehr schön zu sehen, wie ein 25 Jahre alter Song wie „When Love and Death embrace“ zu meinen Solosachen passt. Ich habe neue Ideen und In- spirationen, aber der Kern hat noch denselben augenzwinkernden, melancholisch-düsteren Finnisch-Vibe. Olaf Neumann Das ganze Interview auf subway.de

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