analog LEBEN & RAUM 24 2026 SUBWAY.DE Seien wir ehrlich: Auf dem Papier hat der Herbst ein ziemliches Imageproblem. Der Sommer ist vorbei, morgens ist es dunkel, abends auch und auf dem Fahrrad kommt der Regen grundsätzlich von vorne. Die Parks verwandeln sich langsam in ein Blättermeer – und plötzlich passiert etwas Merkwürdiges: Wir finden das schön. Mehr noch: Wir zelebrieren es. Die Kerzen kommen raus, Kürbisse stehen vor der Tür und Getränke dürfen wieder nach Zimt schmecken. Auf Instagram leuchten orangefarbene Wälder, während zu Hause die erste Kuscheldecke der Saison strategisch auf dem Sofa platziert wird. Aus schlechtem Wetter ist ein Lifestyle geworden. Endlich wieder gemütlich Vielleicht mögen wir den Herbst gerade deshalb, weil er uns eine ziemlich gute Ausrede liefert, einen Gang runterzuschalten. Im Sommer scheint ständig irgendetwas pasDraußen Nieselregen, drinnen Kerzen, Kürbissuppe und Kuscheldecke: Kaum eine Jahreszeit wird inzwischen so hingebungsvoll zelebriert wie der Herbst. Aber seit wann freuen wir uns eigentlich darüber, dass es kalt, nass und um fünf dunkel wird? WARUM LIEBEN WIR DEN HERBST? sieren zu müssen. Biergarten! See! Grillen! Festival! Schnell raus, die Sonne scheint! Der Herbst nimmt diesen Freizeitstress angenehm heraus. Einen Samstagabend mit Serie und Pizza auf dem Sofa zu verbringen, fühlt sich im Juli nach verpasstem Leben an. Im Oktober heißt dasselbe plötzlich „gemütlich“. Dafür gibt es inzwischen sogar ein internationales Vokabular. Die Dänen haben „Hygge“, Social Media spricht von „Cozy Season“ – gemeint ist ungefähr dasselbe: warmes Licht, heiße Getränke, gutes Essen und das wohlige Gefühl, gerade nirgendwo anders sein zu müssen. Alles wird Kürbis Natürlich hat auch das Marketing längst entdeckt, dass sich Gemütlichkeit hervorragend verkaufen lässt. Pumpkin Spice steckt gefühlt in allem, was nicht schnell genug wegläuft, Cafés wechseln auf Herbstkarte und der Kürbis hat eine erstaunliche Karriere vom Suppengemüse zum Wohnaccessoire hingelegt. Dazu kommen Halloween, Pilzesammeln, Spaziergänge durch buntes Laub und die ersten Abende, an denen Glühwein zumindest theoretisch wieder vertretbar erscheint. Der Herbst ist längst nicht mehr bloß die Jahreszeit zwischen Freibad und Weihnachtsmarkt. Er hat sein eigenes Programm bekommen. Und vielleicht liegt genau darin sein Charme: Der Herbst macht keinen Hehl daraus, dass der Sommer vorbei ist. Stattdessen liefert er ziemlich gute Argumente dafür, warum das gar nicht schlimm sein muss. Also Jacke an und raus ins Laub. Oder Decke drüber, Gilmore Girls an und auf dem Sofa bleiben. Ist schließlich Herbst. Lars Wilhelm Foto ArTo - stock.adobe.com
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