SUBWAY Dezember 2020

DIE NACKTE WAHRHEIT 50 2020 SUBWAY.DE Weiter verhört wird im Januar! ... Schauspielerin und Sängerin Maike Jacobs? KENNT IHR EIGENTLICH SCHON ... Foto Tina Kercher M üsste Maike Jacobs sich für eine Sache entscheiden, Schauspielern oder Musizieren, würde die feurige 28-Jährige wahrscheinlich laut lachen – war- umnicht einfach beides? ZumGlück gibt es ja Musical und Musiktheater. Da kann sich Maike gleich doppelt austoben. Inspiriert von der „Les Misérables“-Verfilmung hat die singende Schau- spielerin 2017 ihr Studium an der Stage School in Hamburg aufgenommen und schließlichmit Auszeichnung abgeschlossen. Anschließend ist sie schnell in die Löwenstadt zurückgekehrt und hat hier eigentlich alles gespielt, was ihr in die Finger kam: Von der weiblichen Hauptrolle im 90s-Spektakel „HYPER! HYPER!“ am Staatsthea- ter über die Amy Winehouse in ihrer selbspro- duzierten Rockstar-Hommage „Klub 27“ bis zur Protagonistin im The-Esprits-Musikvideo zu „Want You“. Dazu kamen sommerliche Auftritte imWolters Kulturgarten oder auf dem Soldekk. DiesenWinter hätte das fleißige Jungtalent eigentlich in gleich vier Produktionen des Wintertheaters mitgespielt – darunter auch die traditionsreiche „Braunschweiger Weihnachts- geschichte“. Wäre Maike nicht Schauspielerin geworden, würde sie heute vermutlich hinter den Bühnen des Theaters herumwuseln, Kostü- me entwerfen und dabei Britney Spears hören. Maike, spielst du lieber Helden oder Schurken? Bösewichte sind ja nicht ohne Grund so, wie sie sind, sondern habenmeist viel durchgemacht. Sie sind die tragischeren und interessanteren Figuren. Der Joker ist ja wohl cooler als Batman! Welche Rollewürdest du gernemal spielen? Da ich bisher häufig eher die verrückten Schen- kelklopfer-Rollen übernommen habe, würde ich gerne mal etwas Ernsteres spielen. Frida Kahlo wäre eine Rolle, die mich begeistern würde. Undwelche Figur hat dich als Kind geprägt? Pippi Langstrumpf – die konnte einfach alles! Als Kind war ich eher introvertiert und da war Pippi einfach ein gutes Vorbild, um an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und ungehemmter und stärker mit Situationen umzugehen. Deine Schauspielausbildung hast dumit Bra- vour abgeschlossen. Wie großwar da der Druck? Druck habe ichmir vor allem selbst gemacht undmache ichmir auch heute noch. Manmuss lernen, mit Konkurrenz umzugehen und Ab- sagen nicht persönlich zu nehmen. Manchmal liegt es wirklich anmarginalen Dingen, wenn sich die Caster für jemand anderen entscheiden. Dein Geheimtipp gegen Lampenfieber? Wenn‘s ganz schlimm ist: Eminemhören! Der pusht mich gut nach vorne. Ansonsten die übli- chen Zungenbrecher, Gesangs- und Dehnübun- gen und 20 Kniebeugen durchziehen. Mein lieber Kollege Markus Schultze sagt kurz vorm dritten Gong immer: „Was ich noch sagen woll- te: Aus der Nummer komm’ wa nicht mehr raus.“ Solche Rituale sind in der Theaterwelt wichtig. Wir sind ja ein abergläubisches Völkchen. Wasmotiviert dich, immer weiterzumachen? Die Momente, die ich auf der Bühne oder hinter der Kamera verbringe, machenmich einfach so glücklich, dass ich ewig davon zehren kann. Und solange ich diese Glücksmomente durch meinen Beruf erfahre, werde ichmotiviert sein, ihn weiter auszuüben. Dein Rezept für Positivität und gute Laune? Viel Lachen. Selbst wennman nichts zu lachen hat. Wennman es tut, werden automatisch Endorphine freigesetzt und Stresshormone unterdrückt. Funktioniert! Dein erstes Konzerterlebnis? Bisschen peinlich: Jeanette Biedermann in der VW-Halle, 2004. Aber nur mit Muddern. Welche Gabewürdest du gern besitzen? Fliegen wäre toll. Ich träume ganz oft davon. Was bringt dich so richtig auf die Palme? Wenn irgendwelche Gerätschaften nicht so funktionieren, wie sie sollen und ich irgendwen bittenmuss, mir zu helfen. Wasmagst du an Braunschweig besonders? Braunschweig hat für mich die perfekte Größe, bietet viel an Kultur und ein tolles Netzwerk an Leuten, die ich sehr schätze und die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Was vermisst du seit Beginn der Corona-Ein- schränkungen ammeisten? Einfachmal rauszukommen. Ich war sonst durch die vielen Vorsprechen, die man so abzu- klappern hat, regelmäßig in anderen Städten unterwegs und habe das oft damit verbunden, Freunde zu besuchen. Deshalb vermisse ich jetzt selbst die sonst so verhassten Castings. Das hätte ich nie gedacht, weil das meistens sehr nervenaufreibend ist. Corona killed the Wintertheater. Wie hast du dich gefühlt, als die Absage kam? Stell dir vor, du wärst ein Kind, hättest auf Anweisung deiner Eltern ein halbes Jahr lang brav dein Zimmer aufgeräumt, den Müll run- tergebracht, wärst jeden Abend anstandslos um 20 Uhr ins Bett gegangen und hättest dann plötzlich einen Monat Stubenarrest bekommen. Genauso hat sich das angefühlt. Wie erklärst du dir, dass die Kunst- und Kul- turszene sowenigUnterstützung bekommt? Kultur ist besonders in diesen Zeiten absolut unersetzbar und wichtig. Ich behaupte, es gibt nicht einen Menschen auf dieser Welt, der in dieser Zeit nicht das Schaffen der Kulturszene beansprucht. Wir hören Musik, lenken uns mit Filmen ab oder lesen. Wenn wir das alles jetzt nicht hätten, wären wir schon längst zu Hause versauert und uns gegenseitig an die Gurgel gegangen. BenyaminBahri,LouisaFerch Das ganze Interview auf subway.de

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